Inhaltsverzeichnis
- Welche Wespe nistet bei Ihnen?
- Gefahren richtig einschätzen
- Selbst entfernen – nur unter diesen Bedingungen
- Wann und wie Sie einen Profi engagieren
- Vorbeugung und Alternativen zur Bekämpfung
- Häufige Fragen (FAQ)
Ein summendes Geräusch unter der Dachrinne oder im Rollladenkasten. Ein kugeliges Gebilde aus papierartiger Masse. Ein Wespennest löst bei vielen Gartenbesitzern sofort Besorgnis aus. Die Frage ist berechtigt: Was tun? Die Antwort hängt von drei Faktoren ab: Der Wespenart, dem Standort des Nests und Ihrer persönlichen Toleranzgrenze. Nicht jedes Nest muss sofort weg. Nicht jedes Nest können Sie selbst beseitigen.
Welche Wespe nistet bei Ihnen?
Deutsche Wespe und Gemeine Wespe bauen ihre Nester oft im Verborgenen. Sie nutzen Mäuselöcher, Rollladenkästen oder Hohlräume im Dach. Ihre Nester sehen Sie selten, nur den Flugverkehr zum Eingang. Diese Arten werden im Spätsommer lästig, da sie proteinhaltige menschliche Nahrung anfliegen.
Hornissen sind deutlich größer und friedlicher als ihr Ruf. Ihr Nest hat eine charakteristische, oft braun-weiß marmorierte Hülle. Sie siedeln in großen Hohlräumen wie Baumhöhlen, Vogelnistkästen oder Gartenhäuschen. Hornissen stehen unter besonderem Schutz. Eine Umsiedlung oder Entfernung erfordert eine behördliche Genehmigung.
Feldwespen sind schlank, haben im Flug oft hängende Beine und bauen kleine, offene Waben ohne schützende Hülle. Sie finden sie an sonnigen, geschützten Stellen wie unter Dachvorsprüngen oder an Balken. Sie sind äußerst friedfertig und ausgezeichnete Schädlingsvertilger.
„Hornissen sind keine aggressiven Angreifer. Sie verteidigen lediglich ihr Nest in unmittelbarer Nähe. Ein Stich ist seltener als bei Honigbienen, aber aufgrund der Giftmenge schmerzhafter.“
Gefahren richtig einschätzen
Die Hauptgefahr eines Wespennests liegt in seiner Verteidigung. Arbeiten Sie mit lauten Maschinen wie einem Rasenmäher oder einer Heckenschere in Nestnähe, können Vibrationen die Tiere alarmieren. Ein heftiger Stoß gegen das Nest oder das Verstellen des Fluglochs führt zu massiven Angriffen.
Für Allergiker gegen Wespengift besteht Lebensgefahr. Ein einziger Stich kann einen anaphylaktischen Schock auslösen. Sind Allergiker oder kleine Kinder im Haushalt, ist größte Vorsicht geboten. Auch Nester in unmittelbarer Nähe zu häufig genutzten Türen oder Fenstern stellen ein hohes Risiko dar.
Wichtiger Hinweis
Versuchen Sie niemals, ein Nest mit Wasser, Feuer oder chemischen Mitteln aus der Hausapotheke zu bekämpfen. Sie gefährden sich selbst, provozieren massiven Angriff und begehen unter Umständen eine Straftaat wegen Tierquälerei. Zudem beschädigen Sie möglicherweise Ihre Bausubstanz.
Der Standort entscheidet
Ein Nest in einer ungenutzten Gartenecke oder im hohen Baum ist oft unkritisch. Die Tiere fliegen ein und aus, stören aber nicht. Ab Oktober stirbt das Volk ab, nur junge Königinnen überwintern anderswo. Das verlassene Nest wird nicht wiederbesiedelt. Sie können es im Winter gefahrlos entfernen.
Kritisch sind Nester im Haus: Im Rollladenkasten, hinter der Wandverkleidung, unter der Terrasse oder im Gartenhaus. Hier können Tiere ins Innere gelangen. Zudem nagen Wespen manchmal an Dämmmaterial oder verstopfen mit ihrem Nestbau Entwässerungsrohre.
Selbst entfernen – nur unter diesen Bedingungen
Entfernen Sie ein Nest nur selbst, wenn es klein, frei zugänglich und von einer friedlichen Art wie den Feldwespen bewohnt ist. Der absolut beste Zeitpunkt ist die späte Nacht oder sehr frühe Morgenstunde. Dann sind alle Tiere im Nest und träge aufgrund der Kühle.
Profi-Tipp
Tragen Sie dicke, glatte Kleidung, die an Hosen- und Ärmelenden mit Gummibändern oder Klebeband abdichtet. Ziehen Sie Handschuhe, eine Kopfbedeckung mit Netz oder einen Imkerhut und festes Schuhwerk an. Halten Sie einen Fluchtweg frei.
Stülpen Sie einen großen, stabilen Müllsack über das komplette Nest. Verschließen Sie die Öffnung sofort und fest über dem Ansatzpunkt. Trennen Sie das Nest dann vorsichtig ab. Legen Sie den geschlossenen Sack für mindestens 48 Stunden in die Gefriertruhe, um das Volk sicher abzutöten.
Nach der Entfernung reinigen Sie die Stelle gründlich, um Nestgerüche zu beseitigen. So verhindern Sie, dass im nächsten Jahr neue Königinnen den Platz attraktiv finden. Für die Reinigung kratzfreier Oberflächen kann eine Feinschleifpaste hilfreich sein.
„Bei Nestern in Hohlräumen ist von Eigenmaßnahmen dringend abzuraten. Sie sehen nur das Flugloch, nicht die Ausdehnung des Nests im Inneren. Durch unsachgemäße Maßnahmen können Wespen in die Wohnung gelangen.“
Wann und wie Sie einen Profi engagieren
Bei Nestern der Deutschen oder Gemeinen Wespe, bei Hornissen oder bei Nestern in Hohlräumen müssen Sie einen professionellen Schädlingsbekämpfer oder einen Imker mit Umsiedlungserfahrung kontaktieren. Das gilt auch, wenn das Nest schwer erreichbar ist oder Sie unsicher sind.
Der Profi verfügt über spezielle Schutzkleidung, Absauggeräte und insektizidfreie Verfahren zur Umsiedlung. Er kann das Nest oft komplett absaugen und an einem unkritischen Ort aussetzen. Für Hornissen benötigt er eine Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde. Diese erhalten auch Sie als Auftraggeber auf Antrag, wenn eine berechtigte Gefahr vorliegt.
Zusätzlicher Rat
Vereinbaren Sie den Termin mit dem Kammerjäger nicht in Ihrer Mittagspause. Planen Sie Zeit ein, damit er in Ruhe arbeiten kann. Fragen Sie vorab nach der geplanten Methode (Abtötung oder Umsiedlung) und den Kosten. Eine Umsiedlung ist meist teurer als eine Bekämpfung.
Kosten bewegen sich zwischen 80 und 250 Euro, abhängig von Aufwand, Art und Zugänglichkeit. Nach der Arbeit erhalten Sie ein Protokoll über die durchgeführten Maßnahmen. Lassen Sie sich bestätigen, dass das Nest vollständig entfernt wurde.
Vorbeugung und Alternativen zur Bekämpfung
Der beste Umgang mit Wespen ist, sie gar nicht erst anzulocken. Decken Sie Speisen und Getränke im Freien ab. Verwenden Sie verschließbare Müllbehälter mit dichtem Deckel. Reinigen Sie den Grill nach dem Gebrauch. Fallobst sammeln Sie regelmäßig auf.
Wespenköniginnen suchen im Frühjahr nach Nistplätzen. Verschließen Sie daher potenzielle Hohlräume an Dach, Fassade und im Gartenhaus noch vor dem April. Verwenden Sie dafür feinmaschige Gitter oder robustes Gartenvlies. Kontrollieren Sie Rollladenkästen und Nistkästen.
Wespennest-Attrappen als clevere Abschreckung
Wespen sind territorial. Sie meiden die unmittelbare Nähe zu anderen Nestern. Diese Eigenschaft nutzen künstliche Wespennest-Attrappen. Hängen Sie sie früh im Jahr an exponierten Stellen wie der Terrasse, dem Carport oder dem Balkon auf.
Die Attrappe signalisiert: Dieses Revier ist bereits besetzt. Suchende Königinnen fliegen weiter. Ein einfacher, wirksamer und tierschutzfreundlicher Trick.
Ein gesunder, dichter Rasen bietet weniger potenzielle Nistplätze am Boden. Eine regelmäßige Pflege mit geeignetem Dünger und die Bekämpfung von Unkraut und Moos reduzieren Attraktivität für bodennistende Arten. Ein Produkt wie Moosvernichter Rasendünger kräftigt den Rasen.
Häufige Fragen (FAQ)
- Darf ich ein Wespennest im Winter selbst entfernen?
- Ja, im Spätherbst und Winter, wenn das Volk sicher abgestorben ist, können Sie das leere Nest gefahrlos entfernen. Tragen Sie dennoch eine Staubmaske, da sich oft Milben oder Schimmel im alten Nest befinden.
- Was kostet die professionelle Entfernung eines Wespennests?
- Die Kosten liegen typischerweise zwischen 80 und 250 Euro. Der Preis hängt von der Zugänglichkeit, der Wespenart und ob eine Umsiedlung oder Bekämpfung erfolgt. Holen Sie mehrere Angebote ein.
- Sind Wespen nützlich?
- Absolut. Wespen sind wichtige Räuber in der Natur. Ein mittelgroßes Volk vertilgt bis zu einem halben Kilo Insekten wie Fliegen, Mücken, Raupen und Blattläuse pro Tag. Sie sind also effektive Helfer bei der Schädlingskontrolle im Garten.
- Wie lange lebt ein Wespennest?
- Ein Sommer. Das Volk stirbt im Oktober/November ab. Nur die begatteten Jungköniginnen überwintern in Ritzen und bauen im nächsten Frühjahr ein komplett neues Nest. Alte Nester werden nicht wiederbesiedelt.
- Was mache ich, wenn ich gestochen wurde?
- Bleiben Sie ruhig. Kühlen Sie die Stelle. Bei Stichen im Mund-Rachen-Raum oder bei bekannten Allergien sofort den Notruf (112) wählen. Bei normaler Reaktion ist der Schmerz nach kurzer Zeit vorbei.
Ein Wespennest muss kein Grund für Panik sein. Oft ist ein friedliches Nebeneinander möglich. Bewerten Sie die Situation nüchtern: Art, Standort, Gefahr. Greifen Sie nur im klar definierten Rahmen selbst ein. In allen Zweifelsfällen ist der Profi der richtige Ansprechpartner für Ihre Sicherheit und den Schutz der Tiere.